In den letzten Tagen ist viel Staub aufgewirbelt worden. Meine Glosse zum „Erklärbären“ und der anschließende Kommentar haben gezeigt, wie tief die Gräben im Fandom mittlerweile verlaufen. Einige fühlten sich angegriffen, andere sahen sich bestätigt. Doch jenseits von Polemik und spitzen Labels gibt es einen sachlichen Kern, den wir dringend besprechen müssen: Die Frage, wie Qualität in der heutigen Medienwelt überhaupt noch entsteht – und warum wir sie einfordern müssen.
Wir werfen großen Konzernen wie Paramount oft vor, sie würden Kritik ignorieren. Die Realität ist aber vermutlich banaler und gleichzeitig komplizierter. In der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie zählt für einen Streaming-Riesen am Ende vor allem die „Watchtime“. Wenn die Zahlen stimmen, ist ein Logikloch in Folge 3 für das Dashboard erst einmal irrelevant. Unsere Kritik ist also kein Ruf in den luftleeren Raum, sondern ein Ringen um die Gewichtung. Wir fordern, dass inhaltliche Tiefe nicht hinter rein quantitativen Metriken verschwindet. Ein Franchise, das nur noch auf Algorithmen hin optimiert wird, verliert auf lange Sicht seine Substanz. Davor zu warnen, hat nichts mit Hass zu tun, sondern mit Sorge um die Marke. Wenn wir handwerkliche Mängel wie den viel zitierten „Prank War“ oder biometrische Patzer kritisieren, meinen wir selten den einzelnen Autor im Writers Room. Wir kritisieren ein System, in dem Drehbücher oft so lange durch Fokusgruppen und Marketing-Instanzen geschleift werden, bis jede kreative Kante und leider oft auch die Logik weggebügelt wurde. Star Trek war immer dann am stärksten, wenn es eine klare, manchmal unbequeme Vision verfolgte. Die Forderung nach handwerklicher Exzellenz ist kein Ruf nach dem Gestern, sondern der Wunsch nach mutigen Geschichten, die nicht im Mahlstrom der Konzern-Kompromisse glattgeschliffen wurden.
Hand aufs Herz: Fandom ist Identität. Wenn wir „unsere“ Serie kritisieren, fühlt sich das für viele wie ein persönlicher Angriff an. Das erklärt, warum manche die Schwächen eines Milliarden-Produkts mit einer Leidenschaft verteidigen, als ginge es um ihre eigene Ehre. Doch wir sollten uns fragen: Wem nützt das? Echter Support bedeutet nicht, alles kritiklos durchzuwinken. Fortschritt entsteht dort, wo man den Finger in die Wunde legt. Wenn wir den Standard senken, nur um „positiv“ zu bleiben, verkaufen wir uns unter Wert. Wir sind Kunden mit Anspruch, keine PR-Agenten. Echter Hass – Sexismus, Rassismus, Beleidigungen – ist Gift für jede Diskussion. Punkt. Er dient aber leider oft auch als Vorhang, hinter dem sachliche Kritik unsichtbar gemacht wird. Wenn wir scharf und pointiert kritisieren, wollen wir diesen Raum zurückerobern. Wir wollen über Dramaturgie und Worldbuilding streiten können, ohne sofort in ideologische Grabenkämpfe verwickelt zu werden. Wir brauchen keine Feindbilder. Weder „den Konzern“ noch „den Fan“ oder „den Erklärbär“. Was wir brauchen, ist ein Verständnis dafür, dass Qualität in einem industriellen Prozess keine Selbstverständlichkeit ist. Sie muss immer wieder neu eingefordert werden. Dieser Text ist ein Angebot zur Reibung. Ich will kein Star Trek, das es allen recht machen will, sondern eines, das wieder etwas wagt. Wir streiten nicht aus Prinzip, sondern aus Leidenschaft für eine Vision, die mehr verdient als nur „gut genug“ zu sein.
Live long and prosper – und bleiben wir kritisch, auch gegenüber unseren eigenen Reflexen.