Aladdin (2019) spoilerfreie Kritik zum Disney Realfilm

Mit Aladdin bringt Disney nach „Das Dschungelbuch“, „Die Schöne und das Biest“ und „Dumbo“ eine weitere Realverfilmung seiner geliebten „Meisterwerke“ Reihe ins Kino. Kann das funktionieren? Rechtfertigt der Film sich selbst? Das erfahrt ihr in unserer Kritik.

Ein kurzes Vorwort eines echten Fans

Eins vorab: Ich (Nerdizist Michael) bin ein Riesenfan des Originals. Als der Film 1992 ins Kino kam, war ich gerade mal 9 Jahre alt.

Ich bin mit Disney aufgewachsen und Disney liegt mir im Blut.

Ich habe Disney Comics tonnenweise verschlungen, kann heute noch im Schlaf Donald und Micky zeichnen und zu Hause lagern bei mir im Keller die Lustigen Taschenbücher Band 1 – 300 (mehr oder weniger vollständig). In der goldenen Ära der Disney Zeichentrickfilme Anfang der 90er war ich so tief in dieser Welt drin, wie es ein Kind nur sein kann.

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Aladdin war neben König der Löwen LANGE, LANGE Zeit mein Lieblingsfilm. Ich hatte ihn als Hörspiel, Comic, auf VHS, auf DVD und aktuell auf Blu-Ray. Wenn man mich zwingen würde, könnte ich ihn in einem Monolog ohne Vorlage von vorne bis hinten zitieren.

Natürlich ausschließlich in der deutschen Synchronisation mit dem unvergleichlichen Peer Augustinski als Sprecher von Dschinni. Und SELBSTVERSTÄNDLICH nur in der allerersten Fassung, in der noch gesungen wird…

Du riskierst deinen Kopf
und sofort ist er weg. 

anstatt

Und steckst du mal im Sand,
Kommst du dort nie mehr weg.

und wo Jago noch „Mauser“ und „Krätze“ sagen darf, anstatt „Federn verlieren“. (Die anderen „Anpassungen“ könnt ihr übrigens bei Schnittberichte.com nachlesen).

Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin Fan des Originals und werde es immer bleiben. Diese Kritik ist deshalb ganz und gar nicht objektiv. Subjektiver könnte sie nicht sein. Allerdings muss sich Disney dies auch gefallen lassen, wenn sie massenweise geliebte Vorlagen „neu“ verfilmen.

Arabische Nächte Tage

Aber gehen wir doch erst mal einen Schritt zurück.

Zur Geschichte von Aladdin braucht man nicht viel zu sagen. Im Groben hat sich hier nicht viel geändert. Es geht weiterhin um den Straßenjungen Aladdin, die Prinzessin Jasmin, den Großwesir Dschafar und den Leib gewordenen McGuffin Dschinni aus der Wunderlampe, der alle (3 um genau zu sein) Wünsche erfüllen kann (bis auf das Thema Liebe, Tod und Wiederbelebung). Im Kampf um das Sultanat und die Liebe von Jasmin wird immer noch gesungen, getanzt und gekämpft.

Same, same, but different

An der groben Story hat sich trotzdem nichts geändert, auch wenn an vielen kleinen Schrauben gedreht wurde.

Z.B. wird weiterhin ein Ehemann für Jasmin gesucht, was diese immer noch ablehnt. Aber dank #MeToo und Co. muss ihr einziger Weigerungsgrund nicht mehr nur die Suche nach der wahren Liebe sein. Nein, diesmal sind ihre Ambitionen in der Chefetage zu finden und sie will selbst der erste weibliche CEO Sultan werden.

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Ansonsten wurde mal hier ein kleiner Twist eingeführt (das erste Treffen von Aladdin und Jasmin), mal dort ein anderer Weg beschritten (kein Straßenhändler mehr am Anfang) und ab und zu ein neues Szenario, wie ein Bollywood-Tanz oder ein neues Lied für Jasmin eingeführt.

Das wars dann aber auch schon, was den Interpretationsgrad der Story anging. Regisseur Guy Ritchie scheint hier mehr Auftragsarbeit zu leisten, als eigene Inspirationen an den Tag zu bringen (das beschränkt sich auf den gelegentlichen Slo-Mo Effekt).

Allein die Geschichte rechtfertigt also leider kein Remake. Neue Einsichten in die klassische Story sucht man vergebens. Das muss nicht verkehrt sein, wenn wenigstens der Rest stimmt.

Robin Williams = Will Smith??

Das Casting ist für mich größtenteils gelungen. Naomi Scott und Mena Massoud wirken wie lebendig gewordene Ebenbilder von Jasmin und Aladdin. Und Will Smith ist entgegen aller vorherigen Kritik eine gute Besetzung von Dschinni und versucht erst gar nicht, Robin Williams zu channeln. Smith macht eher einen auf Hitch – Der Date Doktor und das ist auch völlig ok.

Neue Figuren, wie Jasmins Freundin Dalia (Nasim Pedrad) und Geheimtipp Prince Anders (Billy Magnussen) weben sich gut in die Story ein und sorgen für den ein oder anderen Lacher.

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Einziger Fail bleibt für mich leider die Besetzung von Dschafar. Marwan Kenzari macht seine Sache zwar ganz gut, ist aber völlig fehlbesetzt in der Rolle, die wenig übrig lässt von dem einst sehr bedrohlichem Bösewicht. Dschafar ist einfach nicht so eine selbstgefällige Memme, wie er hier portraitiert wird.

Numan Acar (bekannt aus Homeland) wäre meiner Meinung nach viel besser in der Rolle gewesen und hätte den perfekten, perfiden Großwesir gegeben. Leider darf Acar aber nur im Hintergrund als Leibwache Hakim versauern. Schade.

Blau, blau, blau sind alle meine Dschinnis…

Und wie sieht’s visuell aus? Der Elefant im Raum ist natürlich Will Smiths blauer Dschinni. Funktioniert das, nachdem die Trailer echt grausam aussahen?

Laut dem Rest der Besucher in meiner Vorstellung: Ja.

Ich denke eher: NEIN!

Es mag daran liegen, dass ich einen sehr geschulten Blick habe, was Special Effects angeht. Aber für mich sah es immer noch ganz grausam aus. Man konnte förmlich die Naht spüren, an der Smiths Gesicht an Dschinnis Kopf festgetackert wurde. Uncanny Valley Deluxe.

Vergleicht man übrigens die Zeit, die Smith in blauer Pracht vs. Menschengestalt auf der Leinwand verbringt, ist das wohl ebenfalls ein Indikator, was die Macher selbst von den Effekten hielten.

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Aber wie gesagt: Der Rest des Publikums hat sich nicht dran gestört. Es mag an mir liegen. Ich mochte es jedenfalls nicht.

Der Rest des Films war visuell eher durchwachsen.

  • Tiger Radscha, Affe Abu: Top!
  • Elefant Abu? Flop!
  • Fliegender Teppich Song mit Jasmin und Aladdin: Naja
  • Endkampf: Flop.

Nur ein kleiner Freundschaftsdienst…

An der musikalischen Umsetzung gibt’s wenig zu meckern. Smith rappt den Dschinni im Will Smith Stil… was ok ist. Jasmin bekommt ein neues Lied, welches echt gut ist, aber sich nicht richtig in das bekannte Ensemble einfügen will und er gezwungen daher kommt. Alle anderen Lieder sind die Lieder, die man aus Aladdin kennt und mag. Mit einem modernen Spin.

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Das Flair des Films enthält insgesamt sehr starke Bollywood Einflüsse, die aber aufgrund der Vorlage, sehr amerikanisiert wurden. Über die Verwurstung der kulturellen Einflüsse kann man sich ebenfalls weiter streiten.

Fazit

Mir fehlt jedoch für diese Umsetzung weiterhin die Daseinsberechtigung über das reine „Wir könnens…“ hinaus. Diese Umsetzung ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Sie ist an vielen Stellen einfach zu nah am Original, um als eigenes Werk akzeptabel zu sein. Und als Hardcore Fan ärgere ich mich trotzdem über ein paar Anpassungen, die eher halbherzig wirken und für mich den Geist des Originals verraten. Gerade Dschafar ist für mich das Salz in der Wunde.

Und doch werden viele Zuschauer hier ihren Spaß haben. Denn Musik, Effekte und Darsteller sind fast alle durchweg in Ordnung. Aus meiner Sicht aber auch „nur“ in Ordnung.

PS: Ich habe übrigens die englische Fassung gesehen. Wie gut die Deutsche umgesetzt wurde, kann ich hier leider nicht bewerten.

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