Alles wird Mainstream – schlimm?

Kleine Trends verschwinden entweder oder entwi­ckeln sich weiter. Seit ein paar Jahren können wir dies im Bereich Comic, Fantasy und Cosplay gut beob­achten. Der Markt dafür wächst stetig. Nicht zuletzt trägt die Film­in­dus­trie sehr viel dazu bei, denn wie wir alle wissen, werden wir seit Jahren in die Kinos gelockt. Seien es Comic­ver­fil­mung, Fantasy-Epos oder Video­spiel­ver­fil­mung – wir sind wahre Fans und schauen uns alles an. So werden wir zu mitfüh­lenden Fans und leiden und freuen uns mit unseren Lieb­lings­cha­rak­teren. Dabei eifern wir unseren Vorbil­dern nach und kostü­mieren uns wie sie oder kaufen allerlei Merchan­dise Artikel. Ist das schon Main­stream? Oder ist es nur normales Fanver­halten? Naja, da gibt es viel­leicht doch ein paar feine Unter­schiede.

Main­stream-Mode

Wenn ich mir einen Star Wars Pull­over bei einer Textil­kette wie z.B. Primark oder H&M kaufe, dann kaufe ich mir den, weil ich wahr­lich ein Fan bin. Ein weiterer Grund für den Pull­over­kauf ist natür­lich auch der, dass ich durch die große Aufschrift der ganzen Welt zeigen kann, was ich mag. Ich defi­niere mich also über diesen Kauf. Dann gibt es sicher­lich jene Menschen, die mit dem Main­stream gehen und diesen Pull­over tragen, obwohl sie Star Wars noch nie gesehen haben und ledig­lich irgend­welche Sätze nach­plap­pern, die sie mal irgendwo gehört haben (“Ich bin dein Vater!!”). Soll ich diese Menschen jetzt doof finden? Ich weiß es nicht genau. Ich kann Menschen wegen ihres Äußeren nicht verur­teilen, ich kann natür­lich sagen, dass mir Jacke XY nicht gefällt, aber dadurch kann ich schlecht sagen “Der Mensch da drüben ist echt doof, weil der trägt Jacke XY.”, ihr wisst schon, wie ich das meine?

Mode = Main­stream?

Was das aktu­elle Merchan­dise angeht, ist das wohl so, denn an jeder Ecke bekommt man momentan alles von Star Wars und Harry Potter / Phan­tas­ti­sche Tier­wesen nur so hinterher geschmissen. Der Punkt ist, man kauft sich solche Sachen, weil sie einem gefallen. Und da ist es auch irgendwie egal, ob man der Über-Fan ist, oder nicht. Ich gehöre sowieso zu denen, die sich über den ganzen Merchan­dise-Kram freut. Einfache Scho­ko­lade kaufen? Nein, Scho­ko­lade mit Star Wars drauf kaufen (ok, ok.. es wird an mancher Stelle dann doch über­trieben).

Was könnte schlimm am Main­stream sein?

Ich weiß es: es ist nicht mehr so exklusiv, ein Fan von etwas zu sein, von dem jetzt offenbar alle Fan sind. Die rich­tigen Super­helden-Nerds kennen sich im entspre­chenden Universum aus, denn sie lesen schon seit Jahren die entspre­chenden Comics und sind versiert in dem, was sie von sich geben. Die Main­stream-Meute hat die Filme geschaut und denkt eben­falls, sich im Marvel / DC Universum perfekt zurecht zu finden. Da liegt für manche viel­leicht das Problem.

Andere freuen sich über den Erfolg und die Entwick­lung der nerdigen Welt, weil es einfa­cher ist, jemanden zu finden, der die glei­chen Inter­essen pflegt. So auch beim Thema Cosplay. Jeder kann cosplayen und wer nicht craften, also basteln, kann, der kann kaufen. Cosplay Shops sind mitt­ler­weile nicht nur in asia­ti­schen oder ameri­ka­ni­schen Gefilden zu finden, die euro­päi­schen Märkte ziehen nach. Und so kann man sich bequem von der Couch aus sein neues Cosplay auch in Deutsch­land liefern lassen. Wie prak­tisch! Cosplay Shops wie z.B. myCos­tumes machen es möglich. Wer dann aber doch lieber etwas selber herstellt, oder einen Charakter cosplayen will, von dem es nichts zu kaufen gibt, der hat mit Cosplay­flex und Worbla gute Verbün­dete gefunden. Wird dadurch Cosplay auch zu einer Main­stream Erschei­nung? Viel­leicht kommt uns das auch nur so vor. Wer seit Langem dieses schöne Hobby ausübt, der hat gemerkt, dass die Szene immer weiter wächst. Wer erst seit Kurzem dabei ist, so wie ich, der sieht schnell, dass es einige sehr erfolg­reiche Cosplayer gibt, die jedem irgendwie bekannt sind.

So ist die Szene doch über­schaubar, obwohl fast jeden Tag neue Talente zum Vorschein kommen, die sich in Face­book-Gruppen gerne vorstellen. Durch die Commu­nity ist man so drin im Thema, dass Cosplay irgendwie überall ist. Man merkt schon selber kaum noch, dass andere Menschen damit viel­leicht nichts anfangen können. Aber auf Große­vents wie dem Japantag wird man dann doch noch komisch ange­schaut, oder ist es viel­leicht nur Neugier, Bewun­de­rung oder Faszi­na­tion?

Ist Cosplay jetzt Main­stream oder nicht?

Ganz schwer zu sagen. Wir haben so viele neue Möglich­keiten bekommen, so viele neue Mate­ria­lien zum Craften und jeder teilt seine Ideen und ist hilfs­be­reit. So kommt es mir zumin­dest vor, die Neider, Hater und andere nega­tiven Schwin­gungen lass ich mal beiseite. Die gibt es schließ­lich überall und gerade bei einem Hobby, etwas, was einem Spaß macht und einen vom üblen Alltag ablenken soll, sollte man Spaß haben. Ohje, ich schweife ab.

Dem Main­stream haben wir doch einiges zu verdanken. Den Erfolg von Game of Thrones zum Beispiel. Wenn die Serie nicht so vielen Menschen gefallen würde, dann wäre sie viel­leicht nicht lange produ­ziert worden. Und nicht nur Nerds schauen die Serie, quer durch alle Sparten wird Westeros beob­achtet. Ohne den Main­stream hätten wir keine Comic Conven­tions in Deutsch­land. Zuge­geben, diese Cons sprießen zur Zeit wie die Pilze aus dem Wald­boden und in scheinbar jeder größeren Stadt gibt es eine, sollten wir uns darüber nicht freuen? Nicht jeder hat die Möglich­keit, für eine Con durch das halbe Land zu reisen. Natür­lich ist das auch ein Thema, über das man länger disku­tieren könnte, denn mir persön­lich ist bei einer Con die Qualität wich­tiger als die Quan­tität (so empfehle ich jedem, nach Stutt­gart zur Comic Con zu fahren).

Wer in seiner kleinen, feinen Fan-Blase sitzen bleiben möchte und dem Main­stream auswei­chen will, kann dies gerne tun. Aber derje­nige wird es schwer haben und damit nicht glück­lich werden. Das soll nicht heißen, dass alles, was der Main­stream mit sich bringt, toll ist. Man muss es immer diffe­ren­zieren können und für sich selber entscheiden, ob ein Trend, eine Neuheit oder was auch immer es wert ist, auspro­biert zu werden. Offen sein für Neues und auch Altes, sollte für Nerds eigent­lich kein Problem sein. Denkt man zumin­dest, denn ich glaube, dass viele auf ihrem Teller sitzen bleiben und nicht über den Rand hinaus schauen.

Somit lautet mein Fazit: Den Main­stream kann man nur akzep­tieren und respek­tieren, man muss sich nicht darüber freuen. Aber man kann ihn sich zunutze machen und einfach mal etwas Neues erfor­schen und sich inspi­rieren lassen.

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