Filmkritik: Cars 3: Evolution a.ka Lightning Balboa III

Nach dem unterirdischen Fehlstart von Teil 2 führt Cars 3: Evolution eine willkommene Kurskorrektur durch und hilft dem Pixar Cashcow Franchise zurück auf die Spur.

Kurz vorweg: Obwohl ich ein riesiger Pixarfan bin, habe ich mir Teil 1 und 2 nie im Kino angesehen, sondern erst einige Zeit später im Heimkino. Wo Teil 1 mich dank Doc Hollywood Story mit Pixarcharme noch positiv überraschen konnte, fiel für mich das Agentensetting von Teil 2 inkl. unterirdischem Kinderwitz komplett durch.

Deus Ex Cars


Doch wider Erwarten hat Pixar es mit Hilfe des früheren Animators Brian Fee (Ratatouille, Wall-E) tatsächlich geschafft eine erneute 360° Kehrtwende zu vollführen und einen akzeptablen dritten Cars Film an den Start zu schicken.

Vergessen ist die Schmach von Teil 2. Wortwörtlich. Das Sequel wird nicht mal ansatzweise erwähnt. (Meine Theorie: Der Film war Fanfiction von Schrottplatz-Hillbilly Mater) Stattdessen kehren wir zurück in die Rennarena und erleben ein klassisches Sportfilm-Sequel, das sich wie ein Mix aus Rocky III und Rocky Balboa anfühlt.
Nervige Sidekicks, wie Mater, werden auf die Seitenlinie verbannt, unnütze Flachwitze, wie fliegende Bondautos nicht mal im Hintergrund gezeigt und blamable Scherze auf ein Minimum reduziert. Cars 3: Evolution können sich sogar erwachsene Menschen ansehen.

Cars 3: Lightning Balboa

Worum geht’s denn überhaupt? Lightning McQueen, seit Jahren All-Star der Rennszene bekommt die Last des Alters zu spüren. Als eine neue Generation aufgemotzter Technikboliden ihm die Saison ruiniert, erlebt er im letzten Rennen einen fatalen Horrorcrash, der ihn zurück in das verschlafene „Radiator Springs“ befördert.

Fortan will ihn ein neuer Sponsor mit Hilfe innovativer Technik und einer hippen, jungen Trainerin wieder ganz nach vorne bringen. Und wenn das nichts bringt, soll McQueens Erbe selbst zur profitablen Marke werden, die mächtig Kohle mit Produktmarketing einfährt (Seitenhieb auf das eigene Franchise gefällig ^^ ?). Mit dem ganzen neumodischen Kram, wie Virtual Reality Training und Rennsimulatoren kann der analoge Lightning aber nichts anfangen. Was folgt, ist ein amüsanter Roadtrip mit seiner neuen Trainerin Cruz Ramirez im unfreiwilligen Schlepptau, der ihn zurück zu seinen Wurzeln (und seinem Speed) führt.

„Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“


Ganz im besten Pixar Stil erzählt Cars 3: Evolution (merke: Deutsches Marketing braucht immer einen Untertitel) eine vielseitige Geschichte über das Älterwerden, die Akzeptanz der eigenen Grenzen und den Geist einer neuen Generation. Sogar die Welt der Cars wird vom digitalen Wandel (die junge Konkurrenz gewinnt nicht zuletzt dank digitaler Gadgets) wortwörtlich überholt und “alte” Hasen, wie Lightning McQueen müssen ihren Platz in einem sich immer schneller veränderndem Umfeld finden.

Der schaltet einen Gang zurück und findet in seiner Vergangenheit einen Weg in die Zukunft. Und genau das ist der Unterschied zum zweiten Teil, der wenig Tiefgang hatte und sich nur um die Oberflächenpolitur gekümmert hat. Cars 3: Evolution nimmt sich Zeit, um seine Charaktere zu entwickeln und eine Geschichte zu erzählen, die zwar oft vorhersehbar, aber immer sehr herzlich ist.

Pixar bleibt Pixar

Der Film ist nicht ohne Schwächen. Einem Erwachsenen könnte so manches Mal der Biss im Humor fehlen und in der deutschen Fassung finde ich z.B. den, zum Glück spärlich eingesetzten Mater, viel weniger lustig, als im Original. Der Mittelteil des 1 Stunde und 50 Minuten Films zieht sich etwas und über die Logik in der Welt der Autos will ich mich hier mal gar nicht auslassen (wie schreiben Autos handgeschriebene Briefe?). Die Gegenspieler von Lightning McQueen sind so flach und glatt, wie ein polierter Heckspoiler und für die deutsche Synchronisation würde ich mir wieder mehr Diversität wünschen.

Und trotzdem bleibt sich Pixar mit Cars 3: Evolution treu und glänzt wieder mit einer tollen Optik (die in Rennszenen teils fotorealisitisch wirkt) und Detailverliebtheit, actiongeladenen Szenen, sowie einer herzlich-warmen Gesamtatmosphäre. Selbst mit ihren B-Filmen (abgesehen mal von Cars 2) liefern die Jungs von Pixar meist gelungene Unterhaltung ab. Für Kinder bleibt das Franchise wahrscheinlich sowieso unwiderstehlich.

Kurzfilm Lou


Wo sich Pixar bisher noch nie vergriffen hat, ist in der Ausführung der Kurzfilme, die jeden Feature Film begleiten. Im Vorfeld freuen sich Fans über einen liebenswerten Kurzfilm, bei dem wir einer lebendigen “Lost and Found” Kiste folgen dürfen, die einem Schulhofrowdy die Leviten liest. Das macht Spaß und ist kurzweilig inkl. einem leicht tragischem Happyend (was Pixar ja schon immer konnte).

Fazit

Leute, die sowieso nichts mit dem Cars Universum anfangen können, werden auch mit Teil nicht unbedingt glücklich werden. Wer aber Teil 1 mochte, kann Teil 2 getrost als schlechte Sidestory abhaken und ruhigen Gewissens den Kinosessel für Teil 3 füllen. Dank alter Pixartugenden ist Cars 3: Evolution eine gelungene Abendunterhaltung für Jung und (eventuell auch) Alt.

PS: Der Film startet bei uns in Deutschland am 28. September 2017. Pixartypisch sind wir mal fast wieder die letzten die den Sommerfilm des Studios zu sehen bekommen.